CD Kritik
Heitere Sommermusik von Jason Mraz
Heitere Sommermusik von Jason Mraz
Sein drittes Werk für Warner regt zum Mitwippen und am Strand rumliegen an, etwa die eingängige Nummer «Lucky» mit Colbie Caillat. Doch gute Laune kommt nicht von selbst, wie Mraz im Gespräch mit der APA schildert. «Ich war viel zu beeinflusst - von der Industrie, von den Kritiken, von Erfolg und Alkohol», sagte Mraz über seine Karriere. Und er hatte nach seinen zwei ersten Major-Alben zu wenig vom «echten Leben» mitbekommen: «Ich wusste, ich will kein Album über Hotellobbys und Busfahrten machen.»
Also hat er alles hingeschmissen und ist für ein Jahr zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: «Ich besuchte meine alten Kaffeehäuser in San Diego und habe dort gespielt. Ich habe kochen und surfen gelernt und das Rauchen und Trinken aufgegeben.» Klingt nach einer Selbstfindungsphase - was hat er eigentlich gesucht? «Das ist einfach: Mich selbst. Ich bin 30 geworden, und astrologisch gesehen ist man dann offiziell erwachsen - eine wunderbare Zeit für eine Änderung. Ich habe mich eingepuppt und verwandelt.»
Gefunden hat er so manche Erkenntnis: Die derzeitigen Konflikte und Kriege sind für Mraz der letzte Widerstand gegen die Einigung der Menschen, die «unweigerlich kommen wird. Ein Symbol dafür ist das Internet - wir haben dieses wundervolle Netz geschaffen, in dem jeder mit jedem kommunizieren kann.» Derzeit beherrsche jedoch alle die Angst, dass das Öl bald ausgehen wird - «dabei sollte man meinen, wir hätten heute schon genug Solarenergie.» Doch dies dauere, wie jede grundlegende Veränderung, länger - «bis die Menschen ihre Widerstände aufgeben und endlich sagen: Okay, arbeiten wir doch lieber zusammen als Kriege zu führen.»
«Ich habe viel gestohlen», lacht Mraz auf die Frage, wie wörtlich er seinen Albumtitel nimmt. Er reise mit einem kleinen Geschirrset, um sich des Morgens täglich einen Smoothie selber zu machen - «und da braucht man immer Löffel. Und auch kleine Seifen, um sich wieder sauberzumachen. Und diese kleinen Handtücher.» Auch in der Musik sei schon so viel gemacht worden, dass jede neue CD sich auf altes Material verlasse. So gibt es auf dem neuen Album nicht nur sonnige Pop-Entspannungsmusik nach der Art, mit der etwa Surferboy Jack Johnson Erfolg hatte. Sondern auch die eine oder andere anspruchsvolle Soul-Pop-Nummer.
Dass er es mit seinen zwei vorherigen Alben (zuletzt «Mr. A-Z») bis zu Platin-Auszeichnungen, einer Grammy-Nominierung und mehren Preisen gebracht hat und auch sein neuer Longplayer gut im Kommen ist, hat seine Sicht auf den Erfolg nicht verändert: «Mein Ziel war immer, ich will von Musik leben können. In diesem Sinne habe ich es bereits vor acht Jahren 'geschafft', als ich regelmäßig Konzerte in Cafes in San Diego hatte und damit mehr Geld machte, als ich je erwartet habe.» Dass es nun bis in die Hitparaden und zu internationalen Veröffentlichungen gereicht hat, «hätte ich nie erwartet».
Und nicht zuletzt deshalb legt Mraz eine weit sympathischere Sicht auf das Business dar als viele seiner Kollegen. So ermutigt er seine Fans, seine Konzerte mitzuschneiden und diese Aufnahmen zu verteilen («Bootlegs sind eine wunderbare Tradition»). Und auch mit Musikdownloads hat er kein Problem: «Als ich begann, regelmäßig Konzerte zu spielen, sind manchmal Leute auf mich zugekommen und haben gesagt: 'Ich liebe deine Musik, aber ich habe die zehn Dollar für die CD nicht'. Da habe ich sie ihnen einfach geschenkt. Es geht ums Geben und Teilen. Ich habe mehr Geld gemacht, als ich je geglaubt habe. Musik zu machen ist für mich nun Belohnung genug.» Kein Wunder also, dass auch die erste Single des neuen Albums, «I'm Yours», bereits lange im Internet kursierte und nun den Fans in ausgefeilter Version auch auf CD geboten wird.
«Mein ursprünglicher Plan, dass ich keinen normalen Job wollte, hat sich in eine Karriere verwandelt», resümiert Mraz. «Aber irgendwann werde ich zurück nach San Diego gehen und dort ein Cafe eröffnen. Ich werde der Typ sein, der zurückgekommen ist und all die Fotos von seinen Reisen an der Wand hängen hat.»
1 Kommentare zu Heitere Sommermusik von Jason Mraz
| Autor | Kommentar |
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gwinty31.10. 21:10 Uhr |
we sing. we dance. we steal things... ein ausgefallener Titel mit vielen tollen, flotten und gefühlsbetonten songs, die einen zum Nachdenken anregen und schmunzeln lassen. Wunderschöne Lieder wie Details of the fabrik oder prettiest friend und auch dynamische wie dynamo of volition oder make it mine beleben dieses neue album auf eine ganz besondere art und weise. Ganz große Klasse, so stelle ich mir musik vor, die reinhaut und unter die Haut geht ;) |




