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CD Kritik

Excalibur II - The Celtic Ring

07.02. 14:22 Uhr

Excalibur II - The Celtic Ring

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Die Legenden um das mythische Schwert Excalibur gehören zu den berühmtesten und zugleich faszinierendsten Stoffen der Weltgeschichte. Seit dem frühen Mittelalter haben sich die unterschiedlichsten Erzähler - Troubadoure, Mönche, Dichter und Gelehrte - der mythischen Geschichte angenommen und immer neue Handlungsfäden um König Artus und die Ritter der Tafelrunde, um den Zauberer Merlin, die Priesterin Viviane und das Schwert Excalibur gestrickt: ein Labyrinth von heroischen Abenteuern und Dramen, eine stete Fortsetzung der nicht enden wollenden Suche nach dem Heiligen Gral.

Im 12. Jahrhundert hatte sich sogar der englische König Henry II. zum direkten Nachfahren von König Artus erklärt und in der Malerei des 19. Jahrhunderts widmeten sich die Präraffaeliten der Sagengestalt von "King Arthur and his knights of the round table". In der Populärkultur des 20. Jahrhunderts spiegelt sich diese Legende aller Legenden ebenfalls in immer neuen Farben und Formen wider. John Boormans grandioser Film "Excalibur" aus dem Jahr 1981 gehört ebenso dazu wie Monty Pythons absurde Komödie "Die Ritter der Kokosnuss" und Marion Zimmer Bradleys weltweit erfolgreicher Fantasyroman "Die Nebel von Avalon".

Jetzt schickt sich der aus der Bretagne stammende Musiker, Komponist und Produzent Alan Simon an, sein als Trilogie angelegtes musikalisches Konzeptwerk zu Excalibur mit dem zweiten Teil "Excalibur II - The Celtic Ring" noch imposanter fortzusetzen, als es ihm vor einigen Jahren mit dem ersten Teil schon gelungen war. Für diese erste Episode hatte der Visionär und Fantasyliebhaber 1998 eine ganze Reihe renommierter Musiker, darunter auch Roger Hodgson (ex-Supertramp) und die Folklegionäre von Fairport Convention, gewinnen können, die nun wieder mit von der Partie sind. Die Phalanx der mitwirkenden Musiker ist diesmal noch wesentlich eindrucksvoller, sie liest sich fürwahr wie ein Who's who der bewährten Größen der internationalen Folk- und Rockszene. Alan Parsons, selbst eine Koryphäe inspirierter Konzeptalben, ist ebenso mit von der Partie wie Jon Anderson, der Sänger von Yes, dessen einzigartige Falsettstimme zum Markenzeichen des Progressive Rock geworden ist.

Justin Hayward von den Moody Blues, John Helliwell von Supertramp, John Wetton von King Crimson, Les Holroyd von Barclay James Harvest, Martin Barre von Jethro Tull sowie Jeremy Spencer von Fleetwood Mac: All diese gestandenen Rockmusiker, die vor allem in den 70ern Meilensteine der Rockmusik hinterließen, geben sich hier mit Gastspielen die Ehre. Zu den bekanntesten Folkmusikern, die auf "The Celtic Ring" mitwirken, gehören der italienische Barde Angelo Branduardi, der Schweizer Harfenist Andreas Vollenweider, die Sängerin Maddy Prior der schottischen Folkrockikonen Steeleye Span, ihre englische Kollegin Jacqui McShee von Pentangle, der spanische Dudelsackspieler Carlos Núñez, der französische Pianist Didier Squiban, die irische Sängerin Karan Casey, der irische Dudelsackspieler Cillian Vallely sowie die Folkbands Fairport Convention und Flook. Fans keltischer Musik dürften in Anbetracht dieser gewaltigen Besetzung Augen und Ohren übergehen. Komplettiert wird das Album durch das Prager Symphonieorchester unter der Leitung des amerikanischen Dirigenten Lee Holdridge und durch die St-Nazaire Pipe Band.

"The Celtic Ring" ist eine phantastische musikalische Reise, die nicht nur alte keltische Traditionen, sondern auch Delikatessen des Progressive Rock aufgreift und diese so brillant wie leidenschaftlich in den Kontext der Excalibur-Legende setzt. Der Titelsong, ein folksymphonisches Instrumental mit einem choralen Finale, symbolisiert die Zeit, als Götter, Menschen und Feen noch in Harmonie und Eintracht in der heiligen Welt von Anwynn zusammenlebten. "Lugh" erzählt vom Kampf zwischen dem gleichnamigen Gott und dem Sterblichen Fergus, respektive der daraus entstehenden Zwietracht. Nicht nur das Gitarrespiel von Martin Barre (der übrigens mit zweitem Vornamen Lancelot heißt) erinnert hier an Jethro Tull. Während sich langsam ein Fluch über Anwynn legt, feiern die Feen und Fabelwesen (The Little People) den Neumond, was in dem fröhlichen "Tuatha de Dannan" von Flook inspiriert umgesetzt wird.

"Circle Of Life", eine brillante Performance von Jon Anderson, ist ein Aufruf des Gottes Dogda, sich wieder zu versöhnen. "The Girl & The Demon" vertont die mythische Zeugungsgeschichte des Zauberers Merlin, der bereits im nächsten Stück, "Dragon Breath", das Feenvolk im Kampf gegen die dunklen Mächte, die Formeriis, anführt - und John Helliwell, Martin Barre, Flook und Cillian Vallely zu einem wahren Folkepos antreibt. "Secret Garden" ist eine Liebeserklärung der Priesterin Viviane an Merlin, kristallklar intoniert von Maddy Prior und einfühlsam begleitet von Andreas Vollenweider. Doch Merlin zieht weiter in den Kampf: Seine Reise führt ihn bis zur Insel Avalon ("Pilgrims"), mit wunderbaren Harmonien besungen von Fairport Convention. In "Brennan MacFinn" malen Flook musikalisch aus, wie Merlin die größten Helden der keltischen Welt (Bran, Brendan und Brennan) um sich schart.

In "Sacrifice" besingt Jacqui McShee in beeindruckendem Belcanto, wie die Sterblichen die schöne Nessa den Göttern zum Opfer bringen, um diese zu besänftigen. "Earth & Sky" erzählt vom vergeblichen Versuch Merlins, mit Hilfe des letzten erweckten Drachens von Avalon die Städte der Menschen zu zerstören. Der Plan scheitert und Merlin zieht sich ins kristallene Schloss zurück, kündet aber zuvor noch das Kommen von König Artus an. Das Stück weckt nicht zuletzt durch John Helliwells markantes Saxophon Erinnerungen an die besten Zeiten von Supertramp. "Shadow & Light", ein filigranes Zusammenspiel von Angelo Branduardi und Carlos Núñez, schildert das Ende der Feenwelt und ihre Flucht in die Bretagne. Zu den abschließenden Highlights dieses so fabelhaften wie von Fabelwesen reichlich bevölkerten Albums zählen "Call", Lancelots Reise durch Anwynn, personifiziert von Lee Holroyd, dessen sanfte Stimme seit den Großtaten mit Barclay James Harvest nichts an Klasse eingebüßt hat. Das gilt auch für Justin Hayward von Moody Blues, der Merlin in "Celtic Heart - Kelc'h Unan", seiner Liebesreplik an Viviane, auf wirklich zauberhafte Weise eine magische Stimme verleiht. "Anwynn", Didier Squibans hymnische Pianoelegie, sowie das instrumentale Finale der St-Nazaire Pipe Band "Celtic Heart" runden das Album ab.

"Excalibur II - The Celtic Ring" ist nicht nur majestätisch gut besetzt und märchenhaft gut erzählt (ausführlich in dem mehrseitigen englischsprachigen Booklet der CD), es ist vor allem eine keltische Rocksymphonie der Extraklasse. In Frankreich, wo bereits der erste Teil, "La Légende des Celtes", hoch gelobt ("die Renaissance des Runden Tisches", Télérama) und vergoldet wurde, genießt Alan Simon seit langem höchstes Ansehen. Dieser Tausendsassa hat in seinem Heimatland bereits in den Neunzigern Erfolge mit Musicals wie "Le petit Arthur" und "Les enfants du future" gefeiert, war als Produzent (u.a. von Roger Hodgsons Soloalbum "Open The Door") ebenso international erfolgreich wie als Initiator des humanitären Konzeptalbums "Gaïa", an dem vor vier Jahren unter anderem Jane Birkin, Cesaria Evora, Zucchero und Midnight Oil mitwirkten. Schließlich fand er sogar als Regisseur große Anerkennung, als er sich im Jahr 2005 mit dem Dokumentarfilm "O Ghengis" auf die Spuren von Dschingis Khan begab und für dieses in Russland und Asien realisierte Projekt Jean Reno und Omar Sharif als prominente Stimmen gewinnen konnte. Auf den dritten Teil der Excalibur-Trilogie des Alan Simon muss man aller Voraussicht nach ebenfalls nicht mehr lange warten. Nach einer Europatournee von Excalibur II mit ausgewählten Gästen in diesem Sommer soll noch vor Weihnachten "Excalibur III - The Celtic Odyssee" erscheinen. Im Frühjahr nächsten Jahres will Alan Simon die komplette Trilogie als gigantisches Live-Event inszenieren. Den Mut zu einem solch visionären Unterfangen kann man bei der künstlerischen Umsetzung von "Excalibur II" förmlich spüren. A perfect visionary for the perfect legend!

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