CD Kritik
Coldplay im Wandel
Coldplay im Wandel
Bislang hat es der Frontmann des Londoner Britpop-Quartetts Coldplay stets geschafft, neben schmachtenden Teenies auch reifere Semester und die Freunde härterer Klänge zu überzeugen. Jetzt legt die Band ihr viertes Studioalbum vor. «Viva La Vida Or Death And All His Friends» lautet der etwas düstere Titel beim Musikkonzern EMI hofft man, dass das «wichtigste Release des Jahres» vor allem auf dem deutschen Markt gebührend einschlagen wird.
Chris Martin, Jonny Buckland, Guy Berryman und Will Champion bemühen sich nach Kräften, ihr bisheriges Repertoire um einige interessante Neuerungen zu erweitern. Coldplay wollen nicht mehr nur Coldplay sein, sondern «etwas anderes», wie es Martin während der Aufnahmen formulierte.
Besonders klar geben die vier College-Freunde die neue Marschroute in der Single «Violet Hill» zum Besten. Deren Charakter ist erkennbar auf sanfte Härte getrimmt und signalisiert einen kleinen, aber feinen Bruch mit dem alten Coldplay-Gefühl. Bluesig-raue Gitarren-Riffs und ein prononciertes Schlagzeug übernehmen den ersten Teil der Mission. Hinzu kommt Martins kerniger und ungewohnt tiefer Gesang, der in der Tat völlig «anders» klingt als die elegisch-trällernde Kopfstimme, mit der er seine Fans auf den Vorgänger-Alben «Parachutes» (2000), «A Rush Of Blood To The Head» (2002) und «X&Y» (2005) verzückte.
So viel Wandel kommt nicht von ungefähr. Produzenten-Legende Brian Eno (U2, Roxy Music) und sein aufstrebender Kollege Markus Dravs (Arcade Fire) entlockten der Truppe jede Menge frischer Ideen. In der Abgeschiedenheit des neuen Band-Domizils, einer alten Bäckerei im Norden Londons, sogen Coldplay mehr als ein Jahr lang Impulse aus den verschiedensten Richtungen auf. Wie es sich für echte Rockstars auf Sinnsuche gehört, durften die Dienste eines Hypnotiseurs dabei nicht fehlen. Für die nötige Disziplin zwischendurch sorgte «Einpeitscher» Dravs. Eno hingegen war dafür zuständig, «all unsere Formeln zu zerstören». Der Zwang zur Offenheit zahlte sich offenbar aus: «Es ist unser mutigstes und selbstsicherstes Album», meint Berryman.
Es ist aber auch das kürzeste. Weil immer mehr Bands ihre Werke schlichtweg überfrachteten, drang Martin darauf, die CD «nicht länger als eine Episode der üblichen TV-Serien» werden zu lassen. Ergebnis: zehn Stücke, die in schlanke 42 Minuten passen. Doch in der Kürze lag die Würze. «Die Aufnahmen glichen einer Achterbahnfahrt», so Martin.
Zwischen Leben und Tod das Leitmotiv ist Programm, denn Coldplay fühlen sich gleichermaßen in der Welt der Heiterkeit und im Reich der Trauer zu Hause. «Ich schrieb die Songs in beiden Zuständen», erklärt Martin. Quietschfidele Refrains finden sich auf der Platte mithin ebenso wie dunklere Harmonien. Anleihen bei U2, Travis und Radiohead sind nicht zu überhören. Geradezu sakral geht es in «Lost» zu, einer kruden Mischung aus Kirchenorgel-Akkorden und Elektro-Loops. Derweil kombiniert «Death And All His Friends» verstörend optimistische Töne mit Ensemble-Gesängen und schiefen Rhythmen. Seit dem samtweichen Debüt des Jahres 2000 hat Coldplay einen weiten Weg zurückgelegt.
Mit ihrem Ausflug auf unbekanntes Terrain könnte die Band zudem Kritiker Lügen strafen, die ihren Songs oft Glätte und Harmlosigkeit vorgeworfen haben. Ist die Zeit des kalkulierten Drucks auf die Tränendrüse also vorbei? Martin beeilt sich zu versichern, dass die Weiterentwicklung nicht auf Kosten eingängiger Melodien gehen dürfe. Songs zum Mitsingen blieben ein Wert an sich. Aber: «Dieses Album wurde von dem Wunsch angetrieben, von Schwarzweiß ins Farbspektrum zu wechseln.» Das Leben zieht keine perfekten, gradlinigen Bahnen auch nicht für millionenschwere Popstars. «Wir ließen ganz bewusst allen Wildwuchs zu, der einen Garten erst zu einem Organismus macht.»
2 Kommentare zu Coldplay im Wandel
| Autor | Kommentar |
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Alex07.10. 15:30 Uhr |
CDIch liebe ihr neues Album! Einfach klasse. |
lele13.09. 11:50 Uhr |
neue cd und kozert...ich bin enttäuscht! ich hatte so viel von dem konzert erwartet und es war alles glatt gelaufen! ich war auf meinem platz und es ging los! ich hatte das gefül chris martin kannte den rhthmus seiner eigenen lieder nicht mehr, obwohl dies wahrscheinlich absicht war! aber warum muss er so tolle lieder, wie "talk" mit techno oder ähnlichem mischen und so, das was coldplay auszeichnet, nämlich die ruhige sinnliche und einfach tolle musik, so komplett zerstören? |




