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Duffy ist auf einem unglaublichen Siegeszug durch die westliche Welt

veröffentlicht 21.04.08 08:52 Uhr

Duffy ist auf einem unglaublichen Siegeszug durch die westliche Welt

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Man könnte von einer neuen "britischen Invasion" sprechen. Diesmal erobern jedoch britische Soulsängerinnen die Popwelt und nicht, wie zur Mitte der 1960er, Männerbands wie die Beatles, Stones und Kinks. Im Windschatten der Soul-, Mode- und leider auch Tabloid-Ikone Amy Winehouse schwärmte im Frühjahr 2008 ein halbes Dutzend junger britischer Soulstars und -sternchen ins kontinentale Europa und in die USA aus: Die Führung übernahm Mitte April erneut die walisische Sängerin Duffy.

Ende März hatte ihre momentan größte Gegenspielerin Estelle sie zwar nach fünf Wochen vom Spitzenplatz der Single-Charts vertrieben. Kürzlich erreichte Duffys Debütalbum "Rockferry" jedoch erneut die Nr. 1 der britischen Albumcharts - dicht gefolgt übrigens von den Rolling Stones, den einzigen Überlebenden der ersten britischen Invasion. Nicht wirklich vorteilhaft war dabei der kürzliche Kommentar Estelles, Duffy und die Londoner Soul-Newcomerin Adele Adkins sollten mal lieber keine "schwarze Musik" machen, das stände ihnen als Weißen nicht zu. "Wenn man Talent hat und Sehnsucht, ist es, glaube ich egal, welche Hautfarbe man hat", konterte Duffy schlicht und souverän.

Im Heimatland des Soul, den USA, war man auf den Einmarsch der Britsoul-Girls nicht vorbereitet. Nach dem Nu-Soul der 90er geht das Soul-Revival der Nullerjahre auf das Konto von Amy, Duffy und Co., weil "sich die amerikanische Radiolandschaft unglaublich fragmentiert hat", sagt der BBC-Moderator Paul Gambaccini. "Dadurch haben sich die amerikanischen Musikhörer auf ganz bestimmte Nischen eingeschossen und sie haben den Kontakt zu den klassischen Soulsongs verloren." Tatsächlich aber passieren gerade die glorreichen Mod-Zeiten Revue. Nicht nur Amy Winehouse, auch Duffy inszeniert sich glaubwürdig als Neo-Northern Soul-Star. Die Mode, das Make-Up, die Gesten: all das hat sie perfekt verinnerlicht. Zu perfekt, um damit eben mal auf einen Zug aufgesprungen zu sein. Duffy, geboren 1984, wuchs in einem Kaff an der Nordwalisischen Küste auf: Nefyn, Einwohnerzahl 2500. Musik und Modemagazine gab es dort keine. Die 23jährige orientierte sich in punkto Kleiderauswahl an ihrer Mutter, Joyce, einer Herzensbrecherin. Lange Zeit war die einzige musikalische Inspiration der 23jährigen eine VHS-Kassette ihres Vaters mit Folgen der britischen Musiksendung "Ready Steady, Go!", natürlich aus den 60ern, die Duffy abspielte und studierte bis die Kassette auseinander fiel. Ähnlich wie bei Joss Stone brachte diese Abgeschirmtheit von der trendsüchtigen Außenwelt eine stilistische Klarheit hervor, die beeindruckt. Als Teenager trat Duffy mit ´zig Provinzbands auf, sie arbeitete in Boutiquen und Bars und nahm Demos auf, die sie völlig wahllos zu Londoner Plattenfirmen schickte. In Jeanette Lee, der Mitbegründerin von Rough Trade-Records (dem Label der Strokes und von Arcade Fire), fand sie ihre Mentorin.

Duffys musikalische Partnerschaft mit dem Ex-Suede-Gitarristen Bernard Butler, der "Rockferry" produzierte, gleicht in vielem der von Amy Winehouse und Mark Ronson, dem Team von "Back To Black". Die Blaupause, die "britische Invasion" der 1960er war eine Männerdomäne. Nur eine einzige Frau dominierte: Dusty Springfield. Zwischen 1963 und ´70 landete Springfield 18 Mal in den amerikanischen Charts. Die Medien verliehen ihr damals den Titel der "White Queen of Soul", und die Londonerin begründete das Subgenre des "blue eyed Souls" (nicht zwingend müssen dessen Interpreten blaue Augen haben). Springfields Bienenkorbfrisur, ihren tonnenschweren Eyeliner und ihre Roben rücken heute die Mode-Musen Winehouse (Chanel, Cavalli) und Duffy (Dolce & Gabana) wieder ins Rampenlicht.

Nachdem sie im Popfolk-Trio The Lana Sisters gesungen hatte, warf sich Springfield ab 1963 mit ihren Singles "I Only Want To Be With You", "Stay Awhile" und "Wishin´And Hopin´" völlig offensichtlich dem Motown-Sound in die Arme. Das war gewagt. Doch Springfield kam damit durch. Sie hatte nicht nur die besten Songwriter: Burt Bacharach und Hal David, Randy Newman und Carole King konnten es mit Holland-Dozier-Holland aufnehmen. Springfields Stimme - in acht Takten überbrückte sie die Spanne zwischen untergründiger erotischer Schwüle und herzerschütternder Attacke - sie definierte ihre Songs ein für alle Mal. Ja, Springfields Popularität sorgte zur Mitte der 1960er für den internationalen Durchbruch des eigentlichen Motown-Sounds. Als Moderatorin eines Specials von "Ready Steady, Go!" (ausgestrahlt am 28. April 1965) setzte sie sich direkt dafür ein. Die Mitte der 60er stand somit ganz im Zeichen des Girlsouls von Springfield und ihren "Peers": Lulu, Sandy Shaw oder Cilla Black. Die Hippie-Bewegung und Psychedelia-Soul fegten Bienenkörbe, Poloshirts und Cardigans dann von der Bildfläche. Da mochte Springfield 1968 ihr epochales "Dusty In Memphis"-Album aufnehmen und ein Duett mit Jimi Hendrix singen, letzteres in ihrer eigenen TV-Show "It Must Be Dusty" auf dem ITV-Sender: gewürdigt wurde das erst später. Am Ende unbezwingbar, hat sie jeder Paradigmenwechsel im Pop wieder belebt. In den ´70ern die Northern Soul-Bewegung und danach das Mod-Revival. 1988 die Pet Shop Boys, deren Single "What Have I Done To Deserve This" Platz 2 der Charts erreichte. Heute Amys Armada. Springfields Songs klingen jedes Mal wieder völlig unverbraucht. Der große Songschreiber Burt Bacharach (am 12. Mai wird er 80!) hatte Recht, als er sagte: "Du brauchtest nur drei Noten von ihr zu hören und wusstest: es war Dusty".
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