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Unkle Biographie

Unkle

Vier Jahre sind mittlerweile vergangen seit “Psyence Fiction”, das Debüt-Album von Unkle erschienen ist. Es war sicherlich eines der kontroversesten Alben, das in den späten 90ern veröffentlicht wurde. Ambitioniert und einer Vision folgend, der Zeit jedoch weit voraus, wer außer James Lavelle hätte ein so einzigartiges Team zusammenstellen können? Mit dabei waren neben dem Produzenten DJ Shadow, Richard Ashcroft – auf dem Höhepunkt seines Erfolges mit The Verve – und Mike D von den Beastie Boys. Eines der Highlights des Albums war sicherlich das unvergessliche „Rabbit In Your Headlights“ mit Thom Yorke und der Song „Nursery Rhyme“ mit einem damals noch gänzlich unbekannten Badly Drawn Boy. Die Streicher von Will Malone und das Artwork von Futura 2000 setzten dem Schmuckstück, welches sich weltweit über 400.000 mal verkaufte, die Krone auf.

Doch das ist Geschichte, heute ist alles ganz anders. Nach der Veröffentlichung von “Psyence Fiction” ging Shadow zurück in die USA um dort mit Quannum zu arbeiten und „The Private Press“ aufzunehmen (hier fungierte Lavelle als A&R). Mit diesem Werk schaffte er den Einstieg in das Königreich des Underground Hip-Hops. Lavelle ist die Konstante bei Unkle , durch ihn kam auch die Zusammenarbeit mit seinem alten Freund Richard File zustande. Lavelle sagte 2002 über File: „Richard liebt Musik, er ist sehr offen, er ist technisch brillant, er ist wahnsinnig, er ist ein Star, er ist mein bester Freund.“

James betonte oft, dass sein Ursprungs-Label Mo´ Wax – welches zur Zeit eine Pause einlegt – immer auch durch die Interaktion im sozialen Umfeld spannend geblieben ist. Was immer sich entwickeln konnte durch zufällige Treffen in der Fabric oder um die Achse Rough Trade / Slam City Skates, trug zum Erfolg bei. So wie Lavelle und File von einem gleichgesinnten Freund einander vorgestellt wurden. „Es geht darum, dass ich Menschen meines Alters treffe und eine Identität schaffe,“ sagt Lavelle. „Rich passte zu dieser Gruppe“. Sie trafen sich 1994 in Brighton. Zu der Zeit war Richard noch an der Uni, aber er war mehr der Drum´n´Bass-Szene zugetan als von seinem Medienstudiengang. Bei illegalen Partys legte er zusammen mit Ed Rush Platten auf als er auf Engineer Ils traf. Als Folge dieses Zusammentreffens veröffentlichten Ils und Richard bei dem Mo´Wax Ableger Excursions ihre ersten Singles. „ Die Chemie stimmte einfach bei uns“, sagt James und so verbrachten sie fortan eine Menge Zeit zusammen, Richard legte jetzt mit James zusammen auf. Eines Nachts bei der Rückfahrt von einer ihrer Veranstaltungen, bekam James mit, wie Richard zu einem Song im Autoradio mitsang. Er suchte schon eine ganze Zeit lang nach einem Sänger für die Aufnahmen von “Psyence Fiction” und war nun der Ansicht, dass der Mann, den er suchte neben ihm saß. „Ich weiß, es klingt schmalzig, wenn man sagt, dass man etwas in jemanden gesehen hast und gedacht hat: „Ich weiß, er kann das“. Richard entschied, dass er nun den Umgang mit Aufnahme- Equipment und das Programmieren von Beats lernen musste. Mit Hilfe einer akustischen Gitarre und seines faszinierenden Falsetts begann mit der Arbeit an seinen eigenen Songs für das zweite Unkle Album. Im Jahr 2000 zogen die beiden in eine gemeinsame Wohnung in der Old Street. Das wurde für beide eine sehr fruchtbare Zeit, ein verlorenes Wochenende, das sich als sehr produktiv erwies. James war sehr glücklich über sein neues „Vorort-Zu Hause“, endlich konnte er eine kleine Auszeit nehmen von seinen regelmäßigen Besuchen im Fabric, wo er jeden Freitag als Resident DJ auflegte. Im Anschluss wurde dann gelegentlich bis Dienstags weiter gefeiert. Sie bauten sich ein kleines Studio in ihre Wohnung und arbeiten Tag und Nacht an ihren manchmal wirren Ideen Sie arbeiteten an Remixen und Bootlegs um ihren ‚Unkle’ Sound in die Welt zu tragen. Jeder Titel wurde mit dem Rare Earth Titel „Get Ready“ angekündigt: Get ready for here they come! In diesem Jahr konnten sie kaum ihr Studio verlassen, erst produzierten sie für die junge Band South für Mo´ Wax, dann spielten sie einen nachdenklichen, düsteren Soundtrack für Jonathan Glaser´s „Sexy Beast“ ein. Diesmal konnte niemand Unkle vorwerfen, dass sie auf den Hype aus seien, sie waren einfach zwei Kumpels, die eine gemeinsame Vision hatten. „Zu der Zeit war es für uns wie ‚Wir Beide gegen den Rest der Welt,“ erinnert sich James, „Fuck, wir machen, was wir wollen!“ Überzeugt von ihren neuen Songs gingen die beiden in ein Studio und begannen mit der Arbeit am zweiten Unkle Album „Never, Never, Land“. Durch einen andere glücklichen Zufall kam der Kontakt zum Songwriter Ant Genn zustande. Er sprach James auf einer Party an und wollte sich eigentlich über David Axelrod unterhalten, doch dann bot er sich James für eine Zusammenarbeit als Produzent und Songwriter an. Genn hatte Großartiges geleistet, seine Songs waren abwechslungsreich, mit herzerweichende Melodien. Er stellte den beiden auch etliche Musikern vor, die wie Lavelle und File fest mit der Londoner Club- und Band-Kultur verwachsen sind. Die Unkle Gang war komplett und sie begannen erste Demos aufzunehmen. Das erste Ergebnis dieser Arbeit konnte man am 11.09.2002 hören als Channel 4 einen kurzen Antikriegsfilm ausstrahlte, der von Lavelle, gemeinsam mit 3D von Massive Attack und dem Animations-Team Shynola produziert wurde.“ James: ”Die Bilder des Films reflektieren den 11. September 2001, Flugzeuge lassen Menschen in eine Umgebung fallen, die zerstört wird. Der Film handelt von Globalisierung, Beziehungen, die Art und Weise wie wir miteinander umgehen.“ Der Beitrag bekam viele Auszeichnungen.

““Never, Never, Land” lässt große und kleine Gefühle aufeinander prallen,” fasst Richard das Album zusammen, “es ist ein wunderschönes Album”. Richards Songs reflektieren die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Beiden, ihre Zeit in der gemeinsamen Wohnung in der Old Street, das Leben in London, wie sie dort gute und schlechte Zeiten erlebt haben. James unterstreicht, dass es auch einen großen sozialen Hintergrund für ihre Musik gibt, es geht um Freunde, um das Leben in London, es geht darum, neue Leute kennen zu lernen und mit ihnen herum zu ziehen. Ian Brown, dessen gemeinsamer Song mit Unkle - „Be There“ 1998 in die britischen Top Ten gelangte, ist für den Song „Reign“ wieder mit dabei. Bei „Reign“ arbeitet Ian erstmalig seit dem Split der Stone Roses wieder mit Bassist Mani zusammen. Mani ist auch für die tiefen Töne bei „Inner State“ verantwortlich. Ihr langjähriger Freund 3 D von Massive Attack hat sich an „Invasion“ beteiligt, Jarvis Cocker und Brian Eno duellieren sich mit ihren Synthesizern bei „I Need Something Stronger“. Josh Homme von den Queens Of The Stoneage liefert schizophrenen Gesang über einem Bassgewitter auf „Faith In Mind“ und die sehr Beatles-lastige Ballade „Glow“ von Joel, der Stimme von South, ist der vorletzte Song auf dem Album. Bei diesem Album spürt man sofort die Präsenz von Richard File, nicht nur wegen der Beats, vordergründig natürlich wegen seines Falsetto-Gesangs, der bei „In A State“ effektvoll auf 140 Spuren aufgenommen wurde. Instrumentiert hat den Song Graham Gouldman der britischen Band 10 cc, der auch schon bei „It’s Not Love“ diese Effekte gemastert hat.

Richard ist auch auf dem nervösen Synthie-Song „Panic Attack“ zu hören, der sich durch einen wunderbaren Chor auszeichnet und der fast schon paranoiden Ballade „What are you to me?“, magisch nah singt er auch „Inside“. Unkle haben sich darauf eingelassen typische Dance-Sounds zu verwenden und doch keine Dance-Platte aufzunehmen. Dadurch hat „Never, Never, Land“ schon groovige Nuancen und spiegelt auch Hip-Hop Ästhetik wider. Bemerkenswerte Samples von Black Sabbath in ihre Ozzy-Phase auf dem ersten Stück „Black and Forth“ oder von Norman Whitfield der Undisputed Truth auf „Eye For An Eye“ sind ein klares Zeichen für eben diese Arbeitsweise.


Wenn „Psyence Fiction“ wie eine Zusammenstellung klang, dann ist „Never, Never, Land“ ein sehr atmosphärischer, sehr üppiger, bildreicher Total-Trip. Es war eine gewaltige Reise für die Jungs von Unkle.
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