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Sean Paul Biographie

Sean Paul

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Sensationelles geschieht oft ganz plötzlich. Wunder dauern bekanntlich länger. So ist der Erfolg des jamaikanischen Dancehall-Superstars Sean Paul in den USA sicherlich als sensationell zu bezeichnen. Und genau genommen auch ein Wunder. Langsam aber sicher hat der einzigartige, eingängige Style des smarten 27jährigen seinen Weg von der karibischen Insel über die Clubs von Miami und New York in die Hip Hop-Radiosender des Big Apple gefunden. Bis er sich plötzlich sogar in die Top Ten der Billboard Charts durchsetzte. Sean Pauls Schlachtruf "dutty, yeah!" ist der Gute Laune-Garant des ausklingenden Jahres 2002. Kein Clubgänger, Kapitalanlageberater oder Kofferträger, der den Refrain seines Superhits "Gimme The Light" nicht mitsingen könnte. Auf einmal wird Dancehall im Hip Hop- Kontext wahrgenommen und durchbricht gleichzeitig alle Alters- und Genregrenzen im Ansturm auf die Charts. Und Sean Paul ist der Held der Stunde.

Durch einen neuen Deal zwischen dem New Yorker Reggae-Traditionslabel "VP Records" und Atlantic mag Sean Paul zwar auf einmal in den Clubs, im Radio, auf allen Musikkanälen und in den Charts allgegenwärtig sein. Aber die professionelle Karriere des "Sing- Jay" lässt sich glücklicherweise schon etwas länger zurückverfolgen. Sean Paul Henriques kommt am 8. Januar 1975 in Jamaika zur Welt. Sein Stammbaum macht dem Inselmotto "Out Of Many, One People" (Aus vielen, ein Volk) alle Ehre. Über die portugiesischen Vorfahren seines Vaters geht das Gerücht, sie wären auf der Flucht vor Piraten auf der Insel gestrandet. Vor ein paar hundert Jahren. Seans Mutter, eine der bekanntesten Malerinnen der Insel, hat afrikanische und chinesische Vorfahren. Die Hänseleien seiner Mitmenschen wegen dieser "multikulturellen Mischung" macht Sean Paul unschädlich, in dem er sich selbst "Copper Color Chinee Bwoy" (kupferfarbener Chinesenjunge) nennt. Da beide Eltern auf erfolgreiche Karrieren im jamaikanischen Schwimm-Nationalteam zurückblicken können, tritt auch Sean Paul in früher Jugend in etlichen internationalen Schwimmwettbewerben für seine Insel in Erscheinung. Auch als Wasserballer macht er die eine oder andere Welle. Spätestens mit 13, als sein Vater zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wird, schmeißt der "Uptown Rebel" das Handtuch und sucht sein Glück in der Musik.

Dancehall Reggae entwickelt sich für ihn schnell vom Hobby zur Leidenschaft. Künstler wie Lt. Stitchie, Major Worries und Supercat sind damals seine wichtigsten Vorbilder. Sobald er seine Mutter überredet hat ihm ein billiges Keyboard zu kaufen, fängt er im Kinderzimmer an, "Riddims" zu produzieren. Schon wenige Jahre später, etwa 1993, kann der aufstrebende Dancehall-DJ aus St. Andrew mit Cat Coore, Bunny Rugs und Carrot Jarrett zusammenarbeiten, den Frontmen der Supergruppe "Third World". Cat gefällt die Stimme des 18jährigen und irgendwann sagt er einfach: "Lass uns Demos aufnehmen." Ein paar Dubplates, einige Singles und etliche Auftritte bei Backyard-Barbeques später, findet sich Sean Paul mit dem aufstrebenden Produzenten Jeremy Harding von 2 Hard Records zusammen im Studio wieder. Über dessen "Fearless Riddim" legt der 21jährige Sean Paul seine ersten Hitvocals, den ersten seiner mittlerweile berühmt berüchtigten "Ladies Tracks", "Baby Girl". Der Track reift zum Riesenhit und öffnet Sean Paul viele bislang noch verschlossene Türen auf Jamaika. Man beginnt ihn ernst zu nehmen. Auch gibt ihm der Erfolg die Möglichkeit, sich als DJ (im Hip Hop würde man MC dazu sagen, weil diese Form des jamaikanischen DJs eher singt, rapt und toastet, als Platten aufzulegen) und Künstler weiterzuentwickeln.

Mit einer Gruppe anderer junger "Deejays" schließt sich Sean Paul zu dieser Zeit auch zur "Dutty Cup Crew" zusammen. "Wir haben ziemlich viel Grass geraucht", erklärt er. "Und ein "dutty" ist eine benutzte, schmutzige Weed-Pfeife. Aber außerdem waren wir "dutty", also "dirty". Wir meinen, dass man im Leben nichts erreicht, wenn man nicht hart und "schmutzig" daran arbeitet. Und unser "Cup" ist immer randvoll." Zwei Jahre nach dem Erfolg von "Baby Girl" schlägt Sean Paul 1998 wieder in Zusammenarbeit mit Produzent Jeremy Harding zu. "Infiltrate" über Hardings "Playground/ Zim Zimma Riddim" wird nicht nur auf Jamaika ein Riesenhit. In Belize erreicht der Song Platz 1 der Charts und auch die Hip Hop Mixshow-DJs in Miami und New York können nicht genug davon bekommen. Mit dem Nachfolger "Excite Me" erobert Sean Paul schließlich auch den Rest der Karibik und chartet unter anderem in Trinidad und Guyana. Seine erste jamaikanische Nummer 1 erreicht der "Ladies Man" mit "Deport Them" auf Tony Kellys "Bookshelf Riddim". Auch dieser Song findet seinen Weg in die USA und landet schließlich sogar in der regulären Tagesrotation des einflussreichen New Yorker Senders Hot 97. Gemeinsam mit Mr. Vegas nimmt Sean Paul zu dieser Zeit auch "Hot Gal Today" auf Steely & Clevies "Street Sweeper Riddim" auf. Eine glatte Nummer 1 in der gesamten Karibik. Auch auf "Tiger Bone" auf Richard "Shams" Brownes "Intercourse Riddim", hört man Sean Paul gemeinsam mit seinem "Sing Jay"-Kollegen Mr. Vegas. Im März 2000, genau in dem Moment als "Hot Gal Today" sich auch in Miami und New York entsprechend warm läuft, veröffentlicht VP Records sein Debütalbum "Stage One". Doch, wie so oft, ist man auf Jamaika schon wieder mehrere Schritte weiter. Gemeinsam mit Mr. Vegas, dem Produzenten Tony Kelly und dem amerikanischen Hip Hop-Superstar nimmt Sean Paul unter anderem "Top Shotta" für den Soundtrack von "Belly", Spielfilmdebüt des famosen Hip Hop-Videoregisseurs Hype Williams, auf. Ein weiterer Sean Paul-Tropfen auf den immer heißer werdenden Stein des amerikanischen Hip Hop Marktes.

Einem extrem gelungenen Remix über den "Punany Riddim" verdankt "Hot Gal Today" endlich seinen Erfolgszug durch die amerikanischen Hip Hop Sender, wo "Deport Them" zu diesem Zeitpunkt übrigens immer noch auf den Playlisten steht. Mit vereinten Kräften bescheren diese beiden Hits dem jamaikanischen Youngster einen sauberen Start in den USA. Sean Paul ist bald der erste Reggae-Artist überhaupt, von dem zur gleichen Zeit zwei Singles auf einer großen amerikanischen Radiostation (Hot 97) geplaylistet sind. Außerdem geht er als der erste Reggae-Artist in die Annalen ein, der simultan zwei Singles vom selben Album in den Billboard R&B-Singles-Charts plazieren kann ("Hot Gal Today" auf Platz 66, "Deport Them" auf Platz 85). Darüber hinaus erreicht "Hot Gal Today" auch Platz 6 der Billboard Top Rap Singles Chart. Wo man auch hinsieht und vor allem hinhört, taucht Sean Paul auf, ein bis dahin nur Insidern bekannter Künstler. Vor allem in New York macht er sich in kürzester Zeit ein Namen bei "Tastemakern" und wahren Hip Hop Heads. Und das ist erst der Anfang. Sean belegt Platz 3 bei der Wahl zum populärsten Reggaekünstler des Jahres 2000 im Billboard. Sein Album "Stage One" erreicht Platz 4 der Billboard Jahrescharts. Als "Hot Gal Today" dann auch noch auf dem Soundtrack zu John Singletons "Shaft" mit Samuel Jackson landet, schießen die Verkaufszahlen für "Stage One" endgültig durch die Decke. Mehr oder weniger ungeachtet dieser Ereignisse kümmert sich Sean daheim auf Jamaika um den Hit-Nachschub. Für Penthouse Records nimmt er "No Bligh" auf, für In The Streetz "Check It Deeply" und auf Shocking Vibes erscheint "My Name". Allesamt Hits in seiner Heimat.

In den USA wächst unterdessen das Verlangen, den jungen, gut aussehenden Jamaikaner auch mal live zu präsentieren. Die perfekte Chance bietet sich bei "Hot 97's Summer Jam", einem der wichtigsten R&B/Hip Hop Events der Ostküste. Wieder einmal ist Sean Paul der erste Reggae-Artist, der zu diesem Fest geladen wird. "Auf einmal stand ich auf einer Bühne mit einigen meiner Mentoren", erinnert er sich. "Ich habe da Big Daddy Kane, Snoop Dogg und auch Aaliyah getroffen. Mit Funkmaster Flex habe ich mich sogar etwas länger über jamaikanische Dubplates unterhalten. Es war absolut wahnsinnig." Der Wahnsinn geht weiter, als Sean weitere Shows dieser Art in Boston und Miami mit Bravour absolviert.

Als vorausschauender Künstler beginnt Sean Paul schon in jenem Sommer mit der Arbeit zu seinem nächsten Album, in dem er mit allen möglichen Produzenten einen Dancehall-Smash nach dem anderen kreiert. Mit Tony Kelly etwa legt er "Like Glue" auf den "Buyout Riddim". In Jamaika ein sofortiger Hit, ist der Song auf dem besten Wege, auch in den USA der "Dutty Rock"-Hit Nummer 3 zu werden. Nummer 2, nach dem durchschlagenden Erfolg von "Gimme The Light" natürlich, ist momentan "I'm Still In Love With You", ein Cover des Alton Ellis/ Marcia Akins Klassikers im Duett mit der supersexy Sasha. Wenn der Erfolg von "Punkie", das auch in der spanischen Version schon seit geraumer Zeit die karibischen "Dancehalls" und die Latin-Clubs des amerikanischen Nordostens im Sturm erobert, als Indiz gesehen werden kann, dürfte dieser entspannte, melodische Track als Hit Nummer 4 ins Ziel gehen. Wahrscheinlich dicht gefolgt von "Can You Do The Work" mit Sängerin Ce'Cile, das nicht nur wegen des erfolgreichen "Liquid Riddims" von Jeremy Harding bereits ein Hit auf allen karibischen Inseln war.Dann sind da natürlich noch die Tracks, die genau auf die amerikanische Hip Hop- und R&B-Klientel zugeschnitten sind. Nach Kollaborationen mit DMX, Jay-Z, Mya, Clipse und Shaggy, ging Sean Paul für "Dutty Rock" unter anderem mit Busta Rhymes ("Gimme The Light"-Remix), den Neptunes ("Bubble"), Rahzel, der ehemaligen Human Beat Box von The Roots ("Top Of The Game"), und dem New Yorker DJ und Produzenten Tony Touch ("Esa Loca") ins Studio. "Viele Hip Hop-Künstler haben eine Beziehung zu Dancehall", erzählte Sean Paul erst neulich der New York Times. "Es war schon immer so, nur jetzt wird es immer offensichtlicher." Kein Wunder, dass Sean Paul Dancehall selbstbewusst als "Sohn des Reggae und Bruder des Hip Hop" bezeichnet. "Für mich gehören Dancehall und Hip Hop zusammen", erklärt er. "Als ich noch jung war, waren das genau die beiden Musikstile, die mich direkt ansprachen."

Zu all diesen Erfolgen reihte Sean Paul neulich auch noch den britischen MOBO Award für den "Best Reggae Artist of the Year" und den legendären "Doobie Award", den das Magazin "High Times" jährlich für den besten Weed-Song verleiht, für "Gimme The Light". Mit dem Release von "Dutty Rock" wird dann Phase 3 (oder vielleicht sogar schon Stufe 4!) der Karriere des Jamaikaners gezündet. Allein die weltweite Veröffentlichung des Albums über Atlantic garantiert dem 27jährigen Superstar einen sensationellen Start. Kein Wunder, wenn sich daraus ein jahrelanger Höhenflug entwickeln sollte. Die Zukunft gehört Sean Paul.
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