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Glenn Hughes Biographie

Glenn Hughes

Glenn Hughes war schon immer ein musikalischer Grenzgänger. Seit 1973, dem Jahr, in dem er zum neuen Bassisten/Sänger von Deep Purple verpflichtet und damit quasi über Nacht ins grelle Scheinwerferlicht einer hysterischen Rockszenerie katapultiert wurde, hat er zahlreiche Soloalben an der Schnittstelle zwischen Rock, Metal, Funk und Soul veröffentlicht, und weiteren ungezählten Projekten anderer berühmter Musiker als Studiogast seinen unnachahmlichen Stempel aufgedrückt. Hughes aktuelles Alben heißt Building The Machine, und präsentiert sich erneut als bunte Palette vielfältiger Stile, aus der immer wieder seine charakteristische Stimme herausragt. Fans und Medien haben dem gebürtigen Briten schon vor etlichen Jahren zu Recht den Spitznamen ´The Voice Of Rock` verliehen, ein Titel, der sich auch auf Building The Machine wieder bewahrheitet.

Vom kraftstrotzenden Opener ´Can´t Stop The Flood´, der mit schwerem Riffgewitter sowie dröhnender Orgel aufwartet und damit zeigt, dass Glenn Hughes ein durch und durch zeitgemäßer Musiker ist, der sich von der jungen Garde ambitionierter Rock- und Metalkünstler nicht die Butter vom Brot nehmen läßt, über das funky-rockige ´Inside´, das auch Jimi Hendrix gut zu Gesicht gestanden hätte, bis hin zum mystischen, experimentellen ´Beyond The Numb`: Auf Building The Machine spannt Hughes den Bogen seiner stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten durch unterschiedliche Stimmungen, Epochen und Genres. Die Neufassung des Deep Purple-Klassikers ´High Ball Shooter` (vom Meisterwerk Stormbringer) unterstreicht sein unvermindert großes Faible für gradlinige Rockmusik, während das groovende und mit Unterstützung von Pat Travers eingespielte ´I Just Want To Celebrate` an die große Zeit von Rare Earth erinnert. Riff und Rhythmus von ´Out On Me` könnten dagegen so oder ähnlich etwa von den Stones oder den Black Crowes stammen, tragen aber unmissverständlich die Handschrift des vielseitigen Musikers. ´Don´t Slip` zeigt ihn als Bewahrer reinrassiger funky tunes, ein Song, der neben typischen Fender-Gitarrensounds vor allem von Hughes eigenhändig gespieltem Bassgroove lebt. Wie einfühlsam er singen und spielen kann, zeigt Hughes in ´It Feels Like Home` und ´Big Sky´, beide mit akustischer Gitarre und viel Leidenschaft intoniert, bzw. in ´I Will Follow You`, das feine Klaviertöne aus den Fingern von John Beasley (u.a. Miles Davis) anklingen läßt und zudem deutliche Blues-Anleihen zitiert.

Aufgenommen wurde Building The Machine in Los Angeles, die aktuelle Band besteht aus Gitarrist J.J. Marsh, Schlagzeuger Gary Ferguson und Keyboarder Vince Di Cola. Co-produziert hat die neuen Songs Michael Scott, u.a. bekannt durch sein Mitwirken am Vorgänger Return Of Crystal Karma und der überaus erfolgreichen Mitarbeit bei Van Halens For Unlawful Carnal Knowledge. Neben bereits erwähntem John Beasley konnte Hughes den befreundeten Gitarristen Brett Ellis gewinnen, und überdies Ex-Toto Sänger Bobby Kimball als Background-Sänger (´Inside` & ´Don´t Let It Slip`) ins Studio lotsen. Wer die Spielfreude seiner Band auf ihrer soeben beendeten Europatournee gesehen hat, kann sich bereits ein vages Bild davon machen, in welch prächtiger Verfassung sich Glenn Hughes auf Building The Machine präsentiert.

HISTORY
Geboren am 21. August 1952 in Cannock, England verließ Glenn Hughes bereits als Sechzehnjähriger die Schule, um in unterschiedlichen lokalen Formationen zu spielen. Eine von ihnen, die Band Finders Keepers, änderte ihren Namen in Trapeze, und machte anschließend Weltkarriere. In hochkarätiger Besetzung (außer Glenn Hughes spielten der spätere Whitesnake-Gitarrist Mel Galley sowie Schlagzeuger Dave Holland, der Ende der Siebziger zu Judas Priest wechselte) veröffentlichten Trapeze insgesamt drei Alben, von denen speziell You Are The Music, We´re Just The Band (1972) für Furore sorgte. Im September 1973 tauchten plötzlich die beiden Deep Purple-Mitglieder Jon Lord und Ian Paice bei Trapeze-Shows auf, um sich Hughes als möglichen Nachfolger für die im Juni des Jahres ausgestiegenen Ian Gillan und Roger Glover anzuschauen. Der stimmgewaltige Musiker folgte dem Ruf Deep Purples und schlug damit gleichzeitig ein Angebot vom Electric Light Orchestra aus. Mit seinem Einstieg, begleitet durch die parallele Verpflichtung von Sänger David Coverdale für Ian Gillan, erreichten Deep Purple einen neuen Höhepunkt ihrer kreativen Schaffenskraft. Das Album Burn zählt ohne Zweifel zu besten Purple-Veröffentlichungen überhaupt, auch der Nachfolger Stormbringer stand diesem Meisterwerk kaum nach. Speziell die sich ergänzende Kombination aus Frontmann David Coverdale, dessen bluesiges Timbre den neuen Stücken gut zu Gesicht standen, und Glenn Hughes mit seinem schier grenzenlosen Stimmumfang bescherten der Band ein unschlagbares Gespann. Hughes manövrierte Deep Purple zudem in eine funkigere, offenere Richtung, und war damit wohl auch einer der Hauptgründe dafür, dass im Mai 1975 Gitarrist Ritchie Blackmore die Band verließ und zusammen mit Ronnie James Dio die Formation Rainbow gründete. Für Blackmore kam der frühere James Gang-Gitarrist Tommy Bolin, der das Album Come Taste The Band (1975) mit einspielte, und noch im gleichen Jahr mit Teaser ein sagenhaftes Solowerk veröffentlichte. Tragischerweise starb Bolin im Dezember 1976 in Miami, Florida an einer Überdosis Heroin, und besiegelte damit das Ende Deep Purples. „Tommy war mein bester Freund, er war wie ein Bruder zu mir“, steht Hughes noch heute zu Bolin. „Ich wußte nicht, dass er Heroin nahm. Es war der größte Schock meines Leben, als er starb.“
Für Glenn Hughes begann mit dem Ende der Band eine ausgedehnte Wanderschaft durch die nahezu gesamte Hard´n`Heavy-Szene. Die Liste an Bands, Projekten und Soloalben anderer Künstler, an denen er in den folgenden fünfundzwanzig Jahren partizipierte, scheint fast endlos. Von Black Sabbath Seventh Star (1986), Run For Cover von Gary Moore (1986), Face The Truth von Ex Europe-Gitarrero John Norum (1992), dem Sacred Groove-Solowerk von Dokken-Axeman George Lynch über backing vocals für Whitesnakes Slip Of The Tongue (1989), XYZ (1989), Mötley Crüe (1994) und Lynch Mob bis hin zu Wave Of Emotion (1996), dem Soloalbum von ex- Poison Gitarrist Ritchie Kotzen oder seiner Teilnahme an Nostradamus, der aktuellen Rock-Oper des bulgarischen Gitarristen Nikolo Kotzev: Überall war er ein gern gesehener Studiogast. Für Aufsehen sorgte im Jahre 1991 auch sein Mitwirken am US-Megahit ´America: What Time Is Love` von KLF, dem Projekt des ehemaligen Echo & The Bunnymen-Managers Bill Drummond anläßlich der 500 Jahr-Feier der USA. Erwähnenswert in dieser Zusammenstellung hochprozentiger Metal-Veröffentlichungen sind sicherlich auch die ersten beiden Alben der Phenomena-Trilogie, denen Hughes mit seiner markanten Stimme nachhaltig den Stempel aufdrückte, sowie der aktuellen Kooperationen mit Pat Thrall, Stu Hamm, Carmine Appice und Paul Taylor bei ´Killer Queen`, einem Track für das Queen Tribute Werk Cold Queen. Neben seinem Mitwirken an Piece Of My Heart, einer Hommage an Nazareth, spielte Hughes erst kürzlich in New York eine aufsehenerregende Show mit John Cafferty, Survivor´s Jimmy Jamison und Bobby Kimball, und wird auch auf der in Kürze erscheinenden CD des italienischen Gitarristen Max Maganini zu hören sein.

Seine eigenen Soloalben waren ebenfalls von großen Erfolgen gekennzeichnet. Legendär zweifellos das Werk Hughes/Thrall (1982), das er mit Pat Thrall, dem ehemaligen Gitarristen der Pat Travers Band, einspielte. Ebenso furios die ´94er Veröffentlichung Burning Japan Live, auf der er zusammen mit drei ehemaligen Europe-Musikern (plus zwei schwedischen Gitarristen) ein fulminantes Best Of-Programm abspulte. Dagegen wirken die ruhigeren, souligen Klänge auf Feel (1995) sowie dem folgenden Addiction (1996), oder Hughes Ausflüge in die Welt des Blues (L.A. Blues Authority bzw. Blues, beide 1992) zwar etwas Dezibel-gemäßigter, jedoch nicht weniger eindrucksvoll. Mit The Way It Is und Return Of Crystal Karma, speziell auch seiner neuesten Veröffentlichung Building The Machine ist Hughes sehr zur Freude seiner Rock-orientierten Fans zu handfestem Hardrock zurückgekehrt, der allerdings speziell aus seinen Ausflügen in Funk- und Soul-Gefilde eine besondere Intensität bekommt.
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